Montag, 5. Oktober 2020

20-Herbst-D-03 - Ernst Thälmann, Neustrelitz, Tangermünde, Kilimandscharo, Helmstedt


  

21. September 2020, Montag

Vor fast genau zwei Jahren haben wir in Kasachstan im Sharyn-Canyon Anna und Nils ganz kurz kennen gelernt. Ein, zwei Wochen später trafen wir uns dann in Kirgistans Hauptstadt Bischkek und haben dort einen gemeinsamen Abend verbracht.

Nach dem ersten diesjährigen Post kam eine Mail, „Wenn ihr mal in Hamburg seid ...“ Wir antworten: „Habt ihr euch das gut überlegt, wir sind auf dem Weg nach Hamburg.“ Für heute Abend haben wir uns verabredet und freuen uns auf nette Gespräche.

Am frühen Nachmittag fahren wir mit dem Vorortzug und mit Umsteigen zur Ernst-Thälmann-Gedenkstätte am Ernst-Thälmann-Platz in der Tarpenbekstraße 66. 

Bahnhof Hasloh


Hier wohnte mal Ernst Thälmann. Auf der Website: www.thaelmann-gedenkstaette.de kann man sich bei Interesse kundig machen. Wir fanden es in Ordnung, dass es diese Gedenkstätte gibt. 






In diesen Räumen ist es schwierig eine großzügige Ausstellung zu organisieren. Für uns sieht es unübersichtlich aus, aber trotzdem von den Ehrenamtlichen mit Herzblut gestaltet. Die Leute, die wir getroffen haben, waren – aus unserer Sicht – nicht ideologisch verbohrt. Was hier existiert und von Ehrenamtlichen am Leben gehalten wird verdient unseren Respekt.

Gegenüber, in der Geschwister-Scholl-Straße, trinken wir im Geschwister-Café unseren Nachmittags-Kaffee.

Zu Fuß durch Eppendorf. Wunderbare Jugendstilhäuser, wohlhabende Gegend.






Mit der Hochbahn nach Barmbek, hier wollen wir uns mit Anna und Nils treffen.

Und dann, echte Freude auf allen Seiten, sich mal im heimischen Deutschland zu treffen. Es gibt viel zu erzählen, und zwar soviel, dass wir mit die letzten Gäste im Lokal „Morgenland“ sind. (sehr zu empfehlen, schmackhaft und preiswert).



Von unserer Begegnung 2018 bis zum Frühjahr 2020 haben sie als digitale Nomaden ihr Geld verdient und sind dabei durch weitere Länder in Asien und Afrika getourt. Mit fast dem letzten Heimkehrflugzeug des Auswärtigen Amtes wurden sie aus Afrika ausgeflogen und warten jetzt mit Spannung auf die dazugehörige Rechnung.

Als alle Gäste weg sind und die Stühle hochgestellt werden heißt es: Danke für den schönen Abend und vielleicht mal wieder irgendwo auf diesem Planeten. (www.travelbees.de).

 

22. bis 29. September 2020

Eine Woche lang sind wir in Neustrelitz und haben alle möglichen Termine: Arzt, Ford-Werkstatt, Austausch der Wasseruhren in der Wohnung. Zwei Regentage waren auch dabei, ansonsten schönes ruhiges Herbstwetter.

 

30. September Mittwoch

Es ist gegen Mittag als wir von zu Hause loskommen.

Unser erstes Ziel der Scharfenberg bei Wittstock. Hier befindet sich das Schlachtfeld aus dem Dreißigjährigen Krieg vom 4. Oktober 1636. Die die zahlenmäßig unterlegenen Schweden (16 000 Söldner) schlugen die 22 000 kaiserlich-sächsischen Söldner in die Flucht. 8 000 Tote und Verletzte waren auf beiden Seiten zu beklagen. Ein Blutbad!

Gemeinsam mit einem Ehepaar aus dem Taubertal, sie sind Mitglied in einem Mittelalterverein, besichtigen wir die Anlage auf dem Scharfenberg. 









 

 

 

 

Bei der Bundeszentrale für politische Bildung vom 20.7.2018 finden wir die 

Zeittafel: Wegmarken des Dreißigjährigen Krieges

Böhmisch-Pfälzischer Krieg

1618 - Prager Fenstersturz: Die protestantischen Stände in Böhmen erheben sich gegen die Habsburger, Kaiser Matthias und König Ferdinand II., einem Vertreter der Gegenreformation. 

1619 - Die böhmischen Stände setzen Ferdinand ab und wählen den Pfälzer Kurfürsten Friedrich V. zum König von Böhmen ("Winterkönig"). Ferdinand wird in Frankfurt zum Kaiser des Heiligen Römischen Reiches gewählt und schließt ein Bündnis mit Maximilian I. von Bayern, dem Anführer der Katholischen Liga. 

1620 - Schlacht am Weißen Berg bei Prag: Die kaiserlich-katholische Armee besiegt das böhmische Ständeheer, Friedrich V. flieht. Im "Prager Blutgericht" 1621 werden zahlreiche böhmische Anführer hingerichtet, es kommt zu einer umfassenden Rekatholisierung. 

1622/23 - Die Liga-Armee unter Johann T’Serclaes von Tilly erobert Heidelberg und die Kurpfalz, schlägt die protestantischen Fürsten im Reich in den Schlachten bei Wimpfen, Höchst und Stadtlohn und beendet damit die pfälzisch-böhmische Rebellion. 

Dänisch-Niedersächsischer Krieg

1625 - Der dänische König Christian IV. wird Oberbefehlshaber der Armee des niedersächsischen Reichskreises und greift auf Seiten der protestantischen Kräfte gegen den Kaiser in den Krieg ein. 

1626 - Die kaiserliche Armee unter Albrecht von Wallenstein und die Liga-Armee unter Tilly schlagen die Truppen von Christian und seinem Verbündeten Ernst von Mansfeld in den Schlachten bei Dessau und Lutter und drängen sie 1627 aus Holstein, Mecklenburg und Pommern zurück. 

1629 - Kaiser Ferdinand II. erlässt das Restitutionsedikt: Der nach 1552 säkularisierte ehemalige Besitz der katholischen Kirche soll wiederhergestellt werden. Durch den Frieden zu Lübeck scheidet Dänemark aus dem Krieg aus. 

Schwedischer Krieg

1630 - Der schwedische König Gustav II. Adolf landet mit einem Heer auf Usedom, um den kaiserlichen Einfluss im Ostseeraum zu beenden. Sein Eingreifen kommt den deutschen Protestanten zugute. 

1631 - Tillys Truppen zerstören und plündern Magdeburg. Gustav Adolf schlägt Tilly in der Schlacht bei Breitenfeld und zieht anschließend durch Thüringen und Franken bis an den Rhein. 

1632 - In der Schlacht bei Rain am Lech wird Tilly tödlich verwundet. Die Schweden erobern Augsburg und München. Gustav Adolf fällt in der Schlacht bei Lützen gegen Wallensteins Truppen. 

1633 - Schweden, nun unter Führung des Reichskanzlers Axel Oxenstierna, und mehrere protestantische Reichsstände verbünden sich im Heilbronner Bund. Schwedische Truppen unter Bernhard von Sachsen-Weimar erobern die strategisch wichtige Reichsstadt Regensburg. 

1634 - Wallenstein wird abgesetzt und in Eger ermordet. Die kaiserliche Armee unter dem Thronfolger und späteren Kaiser Ferdinand III. erobert im Juli Regensburg zurück. In der Schlacht bei Nördlingen erleiden die Schweden eine entscheidende Niederlage gegen Kaiser, Liga und spanische Truppen. 

1635 - Der Kaiser und der Kurfürst von Sachsen schließen den Prager Frieden. Fast alle Reichsstände treten ihm bei. Schweden und Frankreich sind nicht beteiligt. 

 

Schwedisch-Französischer Krieg

1635 - Frankreich erklärt Spanien den Krieg. 

1636 - Kaiserliche, bayerische und spanische Truppen rücken weit bis nach Frankreich vor. Die zahlreichen Schlachten in den folgenden Jahren bringen keinen militärischen Sieger hervor. 

1641 - Im Hamburger Präliminarfrieden einigen sich der Kaiser, Schweden und Frankreich auf Münster und Osnabrück als Orte für einen umfassenden Friedenskongress. Die eigentlichen Verhandlungen beginnen erst 1644/45. Es gibt keinen Waffenstillstand. 

1645 - Die Schweden gewinnen die Schlacht bei Jankau gegen die Kaiserlichen und ziehen bis vor Wien. Frankreich besiegt bei Alerheim die bayerische Armee. Der Kaiser intensiviert daraufhin seine Friedensbemühungen. Schweden und Dänemark einigen sich im Frieden von Brömsebro. Mit Sachsen vereinbart Schweden in Kötzschenbroda einen Waffenstillstand. 

1648 - Unterzeichnung der Friedensverträge von Münster und Osnabrück: Westfälischer Friede.

 

Weiter über Landstraßen nach Tangermünde zum Stellplatz am Tanger. 

Bei beginnender Dunkelheit in die Altstadt von Tangermünde. Wunderschön!

Ein Stadttor von Angermünde


In der Altstadt
Das alte Rathaus von Tangermünde
Immer noch das alte Rathaus


Dom
Stadtausgang zur Elbe hin.
Blick von der Elbe auf die Stadtbefestigung und den beherrschenden Dom 


Tangermünde hat den Beinamen Kaiser- und Hansestadt. Nicht ohne Grund. 1373 erwarb der böhmische König und deutsche Kaiser Karl IV die Stadt. Am 7. September 1373 zog Karl IV. mit großem Gefolge in Tangermünde ein und machte sie zu seiner Nebenresidenz. Fünf Jahre später starb er. Bis 1488 residierten die Hohenzollern in Tangermünde. In diesem Jahr verlegte der Kurfürst Johanmn Cicero seine Residenz nach Berlin-Cölln.

 

1. Oktober 2020, Donnerstag

Der Morgen beginnt nebelig. Wir wollten doch heute in diese schöne Altstadt zum Fotografieren! Ok, dann eben vor auf den Elbdeich und anschließend, wenn sich der Nebel aufgelöst hat in die Stadt.

mystisch


Der Fluss Tangermünde auf den letzten Metern, wahrscheinlich ist es doch nur ein Bach.


So passiert es, wie gestern Abend in die Stadt. Das Wetter wird immer besser, und jetzt Fotos, Fotos, Fotos. Altstadt, neue Brauerei, Burganlage, Stadtbefestigung von der Wasserseite aus. Wir können nur bestätigen: die schönste Kleinstadt Deutschlands, die wir bisher gesehen haben.

Stadttor am Vormittag



Ein Gruß vom DDR-Sandmann. Werbeaufsteller für einen Internetversender von Ostprodukten.

Im Bio-Laden haben wir Mittag gegessen. Gut schmeckendes Bier: "Stendaler Taubentanz".
In der neuen Brauerei wird "aus Anlass meines Besuches" das "mir zu Ehren kreierte Bier" gebraut!!! Die wissen, was sich gehört!  
Eingang zur Kaiser-Burg
Tolle Dachlandschaften
Auf dem Gelände der Burg
Genau hier ist die Mündung das Tangermünde. Hinten die Elbe, in der Mitte der Tangermünde, vorn Mauer der Burg.
Vor 220 Jahren war Königin Luise in Tangermünde
Altes Rathaus am Tage mit Wochenmarkt drumrum.


Details am alten Rathaus


Am Nachmittag fahren wir über Tangerhütte nach Angern. Hier in der Nähe sind die Quellwiesen des Tanger. 

Auf unserem Navigationsprogramm habe ich eine Wasserburg ausgemacht. Ein breiter, geschlossener Graben mit einem Gebäude mittendrin. Leider nicht zu besichtigen.
Der Wassergraben existiert.
Das Gutshaus existiert auch und ich verstehe, dass man hier keine rumlaufenden Touristen haben will. 
 

Wo übernachten? Wolmirstedt hört sich gut an. Auf dem Weg dahin sehen wir riesige Abraumhalden. Auf einem Hinweisschild sehen wir Kilimandscharo stehen. Da müssen wir hin, umdrehen und suchen. Wär´ ja nicht schlecht, heute noch auf den Kilimandscharo zu steigen. Wir fahren an Wegweisern vorbei, auf denen für uns weiterhin Kilimandscharo steht. In Wirklichkeit ist hier der Kalimandscharo ausgeschildert. 



Toller Kontrast
Ist das der Kilimandscharo?
Rechts: Parkplatz am Kalimandscharo

Erst beim Betrachten der Bilder erkennen wir, dass wir nicht in Afrika sind! Kilimandscharo!!!


Seit 1973 wird hier bei Zielitz untertage Kali abgebaut und zu Düngemittel verarbeitet. Der Abraum wird im Gelände in riesigen Halden abgelagert und türmt sich bis zu 120 m auf. 

Unser Wissen haben wir aus einem Flyer an einem Parkplatz am Fuße des Kalimandscharo.

Von hier aus starten Führungen auf die Halde 2 zum Kalimandscharo. Die Führungen finden von Mai bis September jeweils Samstags um 15 Uhr statt und dauern zwei bis drei Stunden. Bestimmt sehr interessant! ( www.kalimandscharo.com )

Weiter zum Übernachten nach Magdeburg am Wissenschaftshafen. In Wolmirstedt haben wir nichts für uns Passendes gefunden.

 

2. Oktober 2020, Freitag

Hier am Wissenschaftshafen haben wir gut gestanden. 

Das Fraunhofer Institut, die Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg und andere Institutionen forschen und unterstützen an diesem Standort Studenten und Start-Ups zu virtuellen Sachverhalten.




Denkfabrik
Neben unserem Wohnmobil ist der Sandfang. Hier fließen 90 % der Magdeburger Abwässer durch, im Innern wird der Sand in trichterförmigen "Fallen" abgelagert. Der Wind stand günstig. Die Geruchsbelästigung war nicht zu spüren und ist auch auf der anderen Seite unbedeutend. Wir nehmen an, dass hier aus dem Regenwasser der Sand abgeschieden wird.   


Morgen ist Tag der deutschen Einheit, also hin zur ehemaligen innerdeutschen Grenze nach Helmstedt.

Am Nachmittag scheint die Sonne, die beste Zeit, um in die Altstadt zu gehen. Viele Fachwerkhäuser, meist schön saniert.

Der Hammer ist das alte Hauptgebäude der ehemaligen Universität „Juleum“ von Helmstedt. Seit 1810 geschlossen, die Konkurrenzuniversität Göttingen hat das Rennen gemacht.

Helmstedt vom Stadtwall aus gesehen.
Helmstedt Rathaus




Mitte das Hauptgebäude der ehemaligen Universität "Juleum".





 

3. Oktober 2020, Samstag

Am Vormittag nochmal in die Altstadt. Die Corona-Regeln vermiesen uns den Besuch des Hauptgebäudes des Juleums. Auch das Zonengrenzmuseum ist geschlossen und nur von 15 bis 17 Uhr geöffnet. Schade!

Auf dem Gang durch die Stadt finden wir das Haus, in dem Giordano Bruno gewohnt hat. Er war italienischer Priester, Dichter, Philosoph und Astronom. Seine Ideen beeinflussten Galileo Galilei, Gottfried Leibnitz, Arthur Schopenhauer und wahrscheinlich auch mich.

Wohnhaus von Giordano Bruno in Helmstedt.






1 Kommentar:

  1. Interessanter Bericht. Kommen gerade von einer Wandertour im Elbsandsteingebirge zurück. Sehr schön aber auch sehr viele Touristen !

    Gruß Hans

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